Wissenschaft
Auf den Spuren der Erdölentstehung: Baikal-Forscher finden größte Quelle
Das teilte Michail Gratschow, Chef des sibirischen Forschungsinstituts für Süßgewässer, RIA Novosti mit.
Die Expeditionsteilnehmer können somit vielleicht bald das Geheimnis der Ölentstehung lüften.
Laut Gratschow wurde die Stelle südlich der Bargusin-Bucht, der größten Bucht des Baikalsees, in einer Tiefe von rund 850 Metern entdeckt.
Wie der Wissenschaftler mitteilte, wurden dort Proben von durchsickerndem Erdöl, Lebewesen und Wasser entnommen. "Es hat sich erwiesen, dass sich in diesem Erdöl eine große Anzahl von Lebewesen befindet. Das muss man studieren und noch mal studieren", sagte er. Ihm zufolge werden die Proben im Labor untersucht.
"Wir werden alles erforschen: Erdöl, seine Zerlegung, Mikroben, physische Eigenschaften und so weiter. Das ist für die Grundlagenforschung sowie für praktische Ziele notwendig", so Gratschow.
Wie er mitteilte, haben die russischen Mini-U-Boote am 4. und am 6. August Tauchgänge unternommen, um die Stelle ausfindig zu machen. Die Mission selbst begann am 29. Juli.
Von der aktuellen Tauchmission zweier russischer Mini-U-Boote im Baikalsee erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Entstehung von Erdöl.
Jährlich fließen rund vier Tonnen Öl ins Baikal-Wasser. Es tritt aus Spalten und Brüchen am Seeboden hervor und wird größtenteils von Mikroorganismen verzehrt.
Früher erklärte Gratschow: "Die Aufgabe besteht darin, zu verstehen, wie das Erdöl aussieht, bevor es in den Baikalsee gelangt. Das lässt möglicherweise darauf schließen, wie das Öl entsteht."
Es gebe zwei wissenschaftliche Hypothesen: Entweder hat sich das Öl aus Tier- und Pflanzen-Überresten herausgebildet, oder es handelt sich um eine natürliche Synthese aus nicht organischen Verbindungen, hieß es.
Nach Angaben der Wissenschaftler gibt es an der Ostküste des Baikal auch andere Stellen, aus denen Erdöl fließt. Bei weiteren Tauchgängen versuchen die Missionsteilnehmer, auch diese Stellen zu finden.
Die Expedition, die auf zwei Jahre angelegt ist, sieht insgesamt rund 160 Tauchgänge vor. Neben der Erforschung des Seegrundes sollen auch Bodenschätze erkundet, Angaben über tektonische Prozesse im Baikal-Boden gewonnen und nach archäologischen Artefakten gesucht werden.
Der Baikal liegt im Süden Ostsibiriens und ist mit fast 1700 Metern der tiefste See der Erde. Er ist 25 Millionen Jahre alt. Seine Länge beträgt 636 Kilometer, die größte Breite 79 Kilometer.
Der See gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Er macht 20 Prozent der weltweiten und 90 Prozent der russischen Süßwasservorräte aus. Der Binnensee umfasst rund 23 000 Kubikkilometer Wasser.
Im Baikal sind 848 Tier- und 133 Pflanzenarten endemisch. Eine solche Vielzahl an Tieren und Pflanzen ist in keinem anderen Binnengewässer der Welt anzutreffen.
Nach Auffassung von Geologen liegt der Baikal auch heute noch in einer tektonisch aktiven Zone. Im Baikalraum kommt es zu immer neuen Bewegungen der Erdkruste - davon zeugen Erdbeben auf dem Seeboden und zahlreiche Heißwasserquellen an den Baikalufern. Im Baikal werden jährlich bis zu 2000 leichtere Erdstöße registriert.
Dem Geheimnis der Entstehung dieses einmaligen Binnensees sind Wissenschaftler schon seit 300 Jahren auf der Spur.

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